Als Polen im Jahr 2021 die sogenannte estnische CIT (Körperschaftsteuer) einführte, standen viele Unternehmer ihr äußerst reserviert gegenüber. Einige Jahre später rechnen fast 20.000 Gesellschaften auf diese Weise ab, und der Fiskus hat diese Entwicklung lange Zeit aus der Ferne beobachtet. Die kürzlich vom Finanzministerium veröffentlichten Daten zeigen jedoch, dass diese Schonzeit nun vorbei ist.
Die Steuerbehörden konzentrieren sich derzeit nicht mehr nur auf die Steuererklärungen selbst, sondern prüfen vor allem, ob eine Gesellschaft überhaupt das Recht hatte, diese Besteuerungsform zu wählen. In vielen Fällen stellt sich heraus, dass die Wahl der estnischen CIT von Anfang an unwirksam war. In den vergangenen dreieinhalb Jahren hat der Fiskus nach Überprüfung der entsprechenden Meldungen in 642 Fällen festgestellt, dass die Wahl der Pauschalbesteuerung unwirksam war. In 345 Fällen wurde die Meldung als fehlerhaft eingereicht eingestuft, und in 424 Fällen erfüllten die Gesellschaften die gesetzlichen Bedingungen hinsichtlich der Gesellschafterstruktur, der Beschäftigtenzahl oder der Höhe der passiven Einkünfte nicht. Von Anfang 2025 bis März 2026 wurden bei 64 Steuerpflichtigen Steuerausfälle in Höhe von fast 42 Millionen PLN festgestellt – das entspricht durchschnittlich über 650.000 PLN pro Unternehmen.
Voraussetzungen für die estnische CIT – Wo Gesellschaften am häufigsten Fehler machen
Die Anwendung der estnischen CIT erfordert die ununterbrochene Erfüllung einer Reihe von gesetzlichen Bedingungen über den gesamten Zeitraum der Pauschalbesteuerung. In der Praxis bergen insbesondere drei Bereiche ein hohes Risiko. Oft reicht eine einzige geschäftliche Entscheidung aus, um unwissentlich eine dieser Bedingungen zu verletzen:
- Beschäftigung: Die Gesellschaft muss die gesetzlichen Mindestanforderungen an die Beschäftigung von Personen, die keine Gesellschafter sind, erfüllen. Das Risiko steigt insbesondere dann, wenn sich die Teamzusammensetzung im Laufe des Jahres ändert, Unterbrechungen in der Beschäftigung auftreten oder die Gesellschaft nicht überwacht, ob das erforderliche Beschäftigungsniveau tatsächlich aufrechterhalten wird.
- Passive Einkünfte: Zinsen sowie Forderungen aus Darlehen und Bürgschaften dürfen in einem bestimmten Jahr nicht mehr als 50 Prozent aller Einkünfte der Gesellschaft ausmachen. Unternehmen, die ihre Liquidität aktiv verwalten oder Geschäftspartner finanzieren, überschreiten diese Schwelle oft, ohne sie laufend zu überwachen.
- Gesellschafterstruktur: Die Gesellschafter eines Unternehmens, das die estnische CIT nutzt, dürfen ausschließlich natürliche Personen sein. Zudem darf die Gesellschaft selbst keine Anteile an anderen Unternehmen halten. Der Einstieg eines Investmentfonds, die Gründung einer Tochtergesellschaft oder der Erwerb von Anteilen an einem anderen Unternehmen kann zum Verlust des Rechts auf die Pauschalbesteuerung und zur Pflicht führen, die Steuer nach den allgemeinen Regeln abzurechnen.
Keine dieser Entscheidungen wird in der Regel aus steuerlichen Gründen getroffen. Jede von ihnen kann jedoch dazu führen, dass sich die monatelangen Vorteile der estnischen CIT in Steuerrückstände samt Verzugszinsen verwandeln.
Verdeckte Gewinne in der estnischen CIT – Was dem Unternehmen droht und wann der Fiskus Steuern erhebt
Eine separate Risikokategorie bilden die sogenannten verdeckten Gewinne (ukryte zyski, verdeckte Gewinnausschüttungen). Dabei handelt es sich um Transaktionen oder Leistungen, die als eine Form der Gewinnverteilung außerhalb der klassischen Dividende behandelt werden können. Wird eine Transaktion als verdeckter Gewinn eingestuft, kann die Gesellschaft zur Zahlung der Steuer verpflichtet werden, unabhängig davon, ob es zu einer formellen Auszahlung von Mitteln kam. In der Praxis kann dies die Vorteile der estnischen CIT einschränken oder im Extremfall sogar völlig zunichtemachen.
Zu den verdeckten Gewinnen können unter anderem Darlehen an Gesellschafter, die private Nutzung von Firmenwagen oder nicht marktgerechte Konditionen bei Transaktionen mit verbundenen Unternehmen zählen. Ab 2026 wird ein Teil der Gesellschaften der Pflicht zur Einreichung der JPK_KR_PD (Standarddatei für Steuerprüfungen im Bereich CIT) unterliegen, was die Transparenz der Buchhaltungsdaten erhöht und es den Steuerbehörden erleichtert, riskante Transaktionen zu identifizieren.
Detaillierte Daten zur Überprüfung von Steuerpflichtigen, die die estnische CIT nutzen, wurden in der Antwort des Finanzministeriums vom 30. April 2026 auf die parlamentarische Anfrage Nr. 16439 vorgestellt. Ein Teil dieser Daten wurde auch von der Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna analysiert, die unter anderem auf die Anzahl der Unternehmen hinwies, die die Erklärung CIT-8E für 2025 eingereicht haben, sowie auf den Umfang der von der Steuerverwaltung durchgeführten Überprüfungsverfahren.
Prüfung der estnischen CIT – Warum das Überprüfungsverfahren gefährlicher ist als eine klassische Steuerprüfung
Der Fiskus verfügt über zwei Instrumente, um Unternehmen im Rahmen der estnischen CIT zu überprüfen. Zum einen gibt es die klassische Zoll- und Steuerprüfung, die langwierig und kostspielig ist. Zum anderen gibt es das Überprüfungsverfahren (czynność sprawdzająca) zur Richtigkeit der Wahl der Pauschalbesteuerung – dieses ist schnell, einfach und wird, wie die Daten des Finanzministeriums zeigen, immer häufiger angewendet.
Der Unterschied in den Konsequenzen ist grundlegend. Eine klassische Prüfung kann einen spezifischen Fehler in der Abrechnung infrage stellen und mit der Korrektur einer einzigen Position enden. Das Überprüfungsverfahren trifft hingegen das Fundament. Die Gesellschaft kann das Recht auf die estnische CIT verlieren, wenn sie die für diese Besteuerungsform erforderlichen gesetzlichen Bedingungen nicht mehr erfüllt. Dies bedeutet den Zwang, zur klassischen CIT zurückzukehren, die Steuer auf den im Jahr der Beendigung der Pauschalbesteuerung erzielten Nettogewinn abzurechnen und eine Steuer auf die anfängliche Anpassung (korekta wstępna) zu zahlen. Hinzu kommt eine dreijährige Sperrfrist – für 36 Monate darf das Unternehmen die estnische CIT nicht erneut wählen.
Estnische CIT 2026 – Ende des ersten Zyklus und die Entscheidung über die Fortsetzung
Für einen Großteil der Gesellschaften, die die estnische CIT im Jahr 2022 gewählt haben, endete mit Ablauf des Jahres 2025 der erste vierjährige Anwendungszeitraum. Dies ist der Moment, der eine Entscheidung erfordert: Soll die estnische CIT fortgesetzt oder zu den klassischen Besteuerungsregeln zurückgekehrt werden? Wenn die Gesellschaft nichts unternimmt, erfolgt die Verlängerung um weitere vier Jahre automatisch. Genau dieser Automatismus ist eine Falle für all jene, die ihre Situation vor Ende 2025 nicht überprüft haben.
Ein Verzicht ist am Ende jedes Steuerjahres durch Einreichung einer entsprechenden Information in der Erklärung CIT-8E möglich. Die Entscheidung über die Fortsetzung erfordert hingegen nicht nur eine Analyse der bisherigen Vorteile, sondern auch dessen, was die Gesellschaft im nächsten Zyklus erwartet. Die geplanten Änderungen bei der estnischen CIT zielen darauf ab, das System abzudichten und Missbrauchsmöglichkeiten einzuschränken. Unternehmen werden die Beziehungen zu verbundenen Unternehmen genauer überwachen und Dividendenausschüttungen vorsichtiger planen müssen. Mehr zu den geplanten Änderungen können Sie in unserer Analyse des Entwurfs zur Novellierung der estnischen CIT lesen.
Wie viele Gesellschaften nutzen die estnische CIT und was bedeutet das für den Prüfungsumfang?
Wie der Dziennik Gazeta Prawna unter Berufung auf die Antwort des Finanzministeriums vom 30. April 2026 (parlamentarische Anfrage Nr. 16439) berichtete, handelte es sich bei 18.900 der 19.746 Gesellschaften, die für das Jahr 2025 die Erklärung CIT-8E einreichten, um Gesellschaften mit beschränkter Haftung (Sp. z o.o.). Dies zeigt, dass die estnische CIT weiterhin eine beliebte Lösung ist, gleichzeitig aber ein Bereich bleibt, der von den Steuerbehörden aufmerksam analysiert wird.
Wenn Ihr Unternehmen die estnische CIT gewählt hat und die Anwendungsbedingungen seitdem nicht mehr überprüft wurden, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, dies nachzuholen. Nicht nur, um die steuerlichen Abrechnungen zu kontrollieren, sondern vor allem, um sicherzustellen, dass die Gesellschaft während der gesamten Geltungsdauer der Pauschalbesteuerung tatsächlich alle geforderten Bedingungen erfüllt hat. Und wenn das Unternehmen 2022 in die estnische CIT eingetreten ist und in der CIT-8E-Erklärung für 2025 keine Verzichtserklärung eingereicht hat, ist es automatisch in den nächsten vierjährigen Zyklus übergegangen.
Wenn Sie überprüfen möchten, ob Ihre Gesellschaft die Bedingungen für die Anwendung der estnischen CIT erfüllt, oder das Risiko bewerten wollen, dass die Wahl dieser Besteuerungsform angefochten wird, laden wir Sie herzlich zur Kontaktaufnahme ein.

